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Tauchen und die bemannte Raumfahrt – von Martin Pauli

Am 12. April 1961 begann ein neues Kapitel der Geschichte. Der russische Kosmonaut Juri Gagarin verließ als erster Mensch die schützende Atmosphäre unseres Heimatplaneten und umrundete diesen genau ein Mal. Dieser 108 Minuten lange Flug war Ausgangspunkt einer beispiellosen technischen Entwicklung, die bis heute viele Menschen in Ihren Bann zieht.
Auch ich bin bekennender Weltraumfan und informiere mich regelmäßig auf der Webseite der NASA über die neuesten Missionen, Planungen und manchmal auch über die Biografien der Astronauten.

Hier stieß ich auch zum ersten Mal auf einen Zusammenhang zwischen meinem Lieblingshobby "Tauchen" und der bemannten Raumfahrt. Etwa 80% der amerikanischen Astronauten geben in ihrer Biografie Tauchen als eines ihrer Hobbies an. Konnte das ein Zufall sein? Nein, denn die Suche nach einigen relevanten Stichworten (SCUBA, Decompression Sickness, etc.) zeigte, dass auch die NASA einen Zusammenhang erkannt hatte und ihre Astronauten konsequent als Taucher ausbildet. Aber nicht nur das, die NASA besitzt zudem den weltweit größten Pool, das sog. Neutral Buoyancy Lab in Houston, TX.

Dies war für mich Grund genug, einmal etwas genauer zu recherchieren. Einige Scubuddies konnten sich ja bereits meinen Vortrag über Tauchen und die bemannte Raumfahrt am Tauchertreff anhören, für alle anderen habe ich einige dieser Informationen für das Online-Magazin zusammengestellt.

Die ersten Astronauten waren Testpiloten der jeweiligen Streitkräfte. Primäres Ziel dieser Missionen war der Nachweis, dass Menschen die Belastungen eines Raumfluges überleben können. Mit der Zeit wurden diese Missionsziele allerdings anspruchsvoller. Die Astronauten verließen bei sogenannten "Weltraumspaziergängen" ihre Raumkapseln und landeten schließlich auf dem Mond. Aus den Testpiloten wurden die "Mission Specialists". Anspruchsvolle Arbeiten im Weltraum, Höhepunkt sind hier sicherlich die inzwischen 4 Reperatureinsätze am Weltraumteleskop "Hubble", bedingen allerdings ein intensives Training auf der Erde. In einem Pool lassen sich die Bedingungen bei einem Weltraumspaziergang nahezu perfekt simulieren. Zu diesem Zweck wurde von der NASA das sogenannte Neutral Buoynacy Lab in Houston gebaut. Der weltweit größte Pool mit einer Länge von 64,5 Metern, einer Breite von 34 Metern und einer Tiefe von 11,2 Metern enthält etwa 24 Millionen Liter Wasser. Hier trainieren die Astronauten an 1:1 Modellen der ISS oder anderer Satelliten.

Aber auch das Anlegen eines Raumanzuges hat mehr mit dem Tauchen zu tun als allgemein angenommen.
Um den Astronauten ein halbwegs bequemes arbeiten im Raumanzug zu ermöglichen, wurde der Innendruck der Anzüge auf lediglich 0,3 bar reduziert. Höhere Innendrücke würden den Anzug so steif werden lassen, dass an Bewegung nicht mehr zu denken ist. Als Atemgas kommt 100%iger Sauerstoff zum Einsatz. Der Kabinendruck des Spaceshuttle beträgt 1 bar, entspricht also dem normalen Luftdruck auf der Erde. Atemgas ist hier normale Luft. Legt ein Astronaut nun also seinen Raumanzug an, entspräche das einem direkten Aufstieg aus 20 Metern Tiefe im gesättigten Zustand. Symptome einer Dekompressionserkrankung wären also vorprogrammiert. Aus diesem Grund muss auch beim Anlegen des Anzuges ein "Dekostop" eingeplant werden. Der Kabinendruck des Shuttles wird deshalb auf 0,7 bar abgesenkt, zusätzlich atmen die Astronauten, die für den "Außendienst" vorgesehen sind über einen Zeitraum von 12 Stunden 100% Sauerstoff per Maske und absolvieren ein Trainingsprogramm auf einem Heimtrainer.

Wie Ihr seht, gibt es also eine ganze Reihe Zusammenhänge zwischen unserem Hobby Sporttauchen und der bemannten Raumfahrt. Ich werde meinen Vortrag, mit noch viel mehr interessanten Infos gerne demnächst noch einmal auf einem Tauchertreff halten, bis dahin findet Ihr aber sicherlich viele Interessante Features und Bilder auf den Webseiten der NASA: spaceflight.nasa.gov

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